Reifenvergleich

Reifen richtig miteinander vergleichen

Das bekannteste Werkzeug für den Reifenvergleich ist der Reifentest. Fast jede Automobilzeitschrift führt jährlich Reifentests sowohl für Sommerreifen als auch für Winterreifen durch. Dabei werden diese Reifentests oft überbewertet und als Maß aller Dinge angesehen. Im Großen und Ganzen haben sie auch ihre Existenzberechtigung und stellen in vielen Punkten auch eine unverzichtbare Informationsquelle dar. Dennoch kann der abgedruckte Reifentest den eigenen Erfahrungen grundlegend widersprechen.

Das kann zum Beispiel daran liegen, dass in dem Reifentest Breitreifen auf schweren Limousinen miteinander verglichen wurden und die Testergebnisse somit wenig Aussagekraft für die benötigten 13-Zöller des eigenen Stadtwagens haben. Zum einen, weil die schmaleren Reifen für die gleichen Fahreigenschaften eine andere Gummimischung und ein anderes Profil benötigen, und zum anderen, weil genau aus diesem Grund die schmaleren Reifen ohnedies oftmals ein ganz anderes Profil besitzen, als die in der getesteten Reifengröße.

Reifen

Beim Reifenvergleich mit Hilfe von Reifentests ist also unbedingt sowohl auf die getestete Reifengröße, als auch auf die Art des Testfahrzeugs zu achten. Ein frontgetriebener VW Golf verhält sich mit dem gleichen Reifen ganz anders, als ein heckgetriebener 5-er BMW. Leider ist es nicht damit getan, wenn ein Testbericht gefunden wurde, bei dem sowohl das Testfahrzeug als auch das getestete Reifenformat in etwa dem eigenen Bedarf entspricht. Es kommt bedauerlicherweise immer wieder vor, dass nicht alleine die Qualitäten des Reifens für das Abschneiden im Testbericht verantwortlich sind, sondern auch die Spendenhöhe bzw. das Werbebudget des jeweiligen Reifenherstellers beim Veranstalter des Reifentests eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Es sollten daher stets mehrere Reifentests für den eigenen Reifenvergleich zurate gezogen werden, um ein halbwegs objektives Ergebnis zu erhalten.

Der Geschwindigkeitsindex, der in den Fahrzeugpapieren eingetragen ist, muss zwar eingehalten oder überschritten werden, einen Qualitätsbeweis liefert ein höherer Index jedoch nicht. Gleiches gilt für den Traglastindex, der ebenfalls überschritten, niemals jedoch unterschritten werden darf. Eine Überschreitung wäre lediglich dann als Vorteil zu werten, wenn sich dadurch die Zuladung erhöhen würde, was jedoch definitiv nicht der Fall ist.

EU-Reifenlabel

Ein weiteres Werkzeug für den Reifenvergleich ist das seit dem 1. Nov. 2012 vorgeschriebene EU-Reifenlabel. Neben der Energieeffizienz ist auch der Bremsweg auf nasser Fahrbahn und der Geräuschpegel auf dem einheitlichen Label angegeben und ermöglicht es auch Reifen miteinander zu vergleichen, die in keinem Reifentest bewertet wurden. Keine Aussage macht das EU-Reifenlabel zu den Punkten Langlebigkeit, Trockenhaftung, Federungskomfort, Spurtreue, Kurvenstabilität, Lastwechselverhalten und Geradeauslauf. Auch wenn es der Punkt Nasshaftung vermuten lässt, so gibt die Einstufung keinen Hinweis auf das Aquaplaningverhalten des Reifens, sondern lediglich über das Bremsverhalten bei Nässe. Hier bleiben die Reifentests, wie eingangs bereits erwähnt, eine unverzichtbare Informationsquelle.

So gering, wie die Aussagekraft des EU-Reifenlabels auch sein mag, so stellt es für die Reifenangebote der Reifendiscounter, die in keinen Tests erwähnt werden, eine der wenigen Vergleichsmöglichkeiten dar. Wesentlich aussagekräftiger sind die Sterne der Kundenzufriedenheit, sofern eine aussagekräftige Anzahl von Bewertungen vorliegt. Die Aussagen von zwei oder drei Kunden dagegen können maximal als Anhaltspunkt für den Reifenvergleich gesehen werden.

Bei den Reifendiscountern gibt es noch den sogenannten DEX. Dieser in bis zu fünf Sternen angegebene Wert gibt an, wie genau das EU-Reifenlabel des jeweiligen Reifens der durchschnittlichen Gewichtung der Autofahrer entspricht. Wie auch die Reifentests gibt der DEX eine allgemeine, dem durchschnittlichen Autofahrer entsprechende Bewertung ab, die mit den individuellen Prioritäten nicht unbedingt übereinstimmen muss. Unabhängig von der persönlichen Priorität empfiehlt es sich bei der Geräuschintensität darauf zu achten, dass maximal zwei schwarze Schallwellensymbole angegeben werden, da nur diese Reifen die ab 2016 gültigen Grenzwerte einhalten.

Mehr zum Thema