Reifenhersteller

Im Dschungel der Reifenmarken

Die Liste der verschiedenen Reifenhersteller, die hier auf dem Markt mehr oder weniger bekannt sind, ist lang und umfasst weit mehr als 50 unterschiedliche Reifenmarken. Weltweit sind es sogar rund 1.500 Reifenhersteller, von denen alleine etwa 1.400 in China ansässig sind. Dabei haben es die kleinen Unternehmen besonders schwer.

Ständig neue Standards, Erkenntnisse und Anforderungen erfordern eine permanente Weiterentwicklung der Reifen. Alleine die Forschung verschlingt Unsummen. Im Anschluss an die Forschung folgen die kostspieligen Tests, beispielsweise im Rennsport. Für die kleineren, finanzschwächeren Hersteller von Autoreifen ist dies ein nicht zu bewältigender Kostenfaktor. Sie sind deshalb zum größten Teil großen Mutterkonzernen angegliedert. Selbst zwischen dem weltweit siebtgrößte Reifenhersteller Hankook und Michelin besteht eine strategische Allianz. Wer einen Reifen von Continental günstig auf sein Fahrzeug montieren will, der findet hinter manch einer Hausmarke der Reifengroßhändler einen als Billigreifen getarnten Conti.

Reifen

Zu den großen Mutterkonzernen mit ihren angegliederten Reifenmarken gehören Michelin, Pirelli, Goodyear, Bridgestone und Continental. Auf diese fünf Großkonzerne fällt ein Marktanteil von etwa 80 Prozent. Die Reifen, die unter der Reifenmarke des Mutterkonzerns verkauft werden, bezeichnet man als Premiumreifen. Sie sind in der Regel qualitativ hochwertiger, als die ihnen angegliederten Marken, was sich selbstverständlich auch im Preis bemerkbar macht. Natürlich kommt es immer wieder einmal vor, dass auch ein preiswerterer Reifen aus dem mittleren Preissegment den Premiumreifen qualitativ die Stirn bieten kann. Diese Fälle lesen wir immer wieder in diversen, unabhängigen Reifentests.

Zwei wichtige Premiumreifen fehlen in der Aufzählung noch. Die Rede ist zum einen von der Cooper Tire & Rubber Company, dem zweitgrößten unabhängigen Reifenhersteller der Vereinigten Staaten und achtgrößten weltweit. Zu diesem Unternehmen gehören allerdings neben dem Cooper-Tire lediglich die zwei Reifenmarken Avon und Mickey Thompson. Der zweite, fehlende Premiumreifenhersteller ist Dunlop. Entgegen der weitverbreiteten Ansicht ist Dunlop keine deutsche, sondern eine irische Reifenmarke, die korrekterweise "Dannlop" gesprochen wird. Aufgrund eines Joint Ventures gehört Dunlop zum Goodyearkonzern. Ebenfalls Teil des Joint Ventures ist der zum Dunlopkonzern gehörende Falken-Tire. Die Reifenhersteller, die keinen finanzstarken Großkonzernen angegliedert sind, drängen zwar Jahr für Jahr mit neuen Reifenmodellen auf den Markt, fallen bei den Reifentests aber immer wieder durch. Diese meist fernöstlichen Reifenmarken sind somit nicht günstig, geschweige denn preiswert, sondern einfach nur billig.

Goodyear-Dunlop Joint Venture

Ende 2015 läuft das Goodyear-Dunlop Joint Venture aus. Das japanische Unternehmen Sumitomo Rubber Industries, kurz SRI, besitzt für eine Reihe von Märkten das Recht an der Marke Dunlop. Goodyear wird am Ende der Laufzeit die Restlichen 25 Prozent der Anteile an der Goodyear-Dunlop tires Europe von SRI übernehmen und behält damit das alleinige Recht, Dunlopreifen in den europäischen Ländern zu vertreiben, in denen das Joint Venture das alleinige Vertriebsrecht hatte. In Europa ändert sich also auch in Zukunft nicht viel. Anders sieht es in Japan, Russland, der Türkei und einigen afrikanischen Staaten aus, wo die Marke Dunlop von SRI angeboten werden wird. In Nordamerika wird es etwas konfuser. Dort werden die Dunlopreifen zwar künftig von Goodyear vertrieben, aber nur an nichtjapanische Automobilhersteller und den Ersatzmarkt. Die japanische OEM wird von SRI mit Dunlopreifen versorgt, sodass in Nordamerika hinter einer Marke zwei Reifenhersteller stehen werden. Falken wird nach Beendigung des Joint Ventures unter SRI wieder eigenständig sein.

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