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Pkw-Reifen richtig reparieren

Ob nach einer Reifenpanne der Autoreifen noch zu flicken ist, oder gegen einen neuen Reifen ausgetauscht werden muss, ist von mehreren Faktoren abhängig. Entgegen einiger Gerüchte gehört der Geschwindigkeitsindex nicht zu diesen Faktoren. Stichverletzungen in der Lauffläche, wie zum Beispiel durch einen eingefahrenen Nagel, können bei Reifen aller Geschwindigkeitsklassen ausgeführt werden, sofern der Durchmesser unter 6 Millimetern liegt und keiner der am Ende aufgeführten Gründe dagegen spricht. Selbst an der Seitenwand können kleinere Löcher repariert werden, sofern die Festigkeit noch gewährleistet und keine seitliche Beulenbildung zu befürchten ist, die im schlimmsten Fall zum Reifenplatzer führen könnte.

Reifen

Eine Reifenpanne ist nicht nur ärgerlich, sie würde auch richtig ins Geld gehen, wenn jedes Mal ein neuer Reifen angeschafft werden müsste. Ganz besonders betroffen sind Firmen-Pkw, die überwiegend auf Baustellen unterwegs sind und Reifenschäden fast magisch anziehen. Abgesehen von den wirtschaftlichen Gründen gibt es auch Sicherheitsgründe, die für die Reparatur sprechen. Haben die alten Reifen nur noch ein mittleres bis geringes Restprofil, so würde ein neuer Reifen für eine weitaus bessere Haftung sorgen, als der alte auf der gegenüberliegenden Seite. Einseitig auftretendes Aquaplaning bei starkem Regen, das zum Schleudern führen kann, ist genauso wenig auszuschließen, wie dass das ESP durch den unterschiedlichen Reifenumfang Probleme machen könnte. Ein Reifendruckkontrollsystem, das nicht mit Drucksensoren arbeitet, sondern die Radumdrehungen untereinander vergleicht, kann ebenfalls irritiert werden und einen Reifenschaden melden, der real nicht vorhanden ist. Statt also wegen eines Reifenschadens zwei Reifen zu wechseln, ist es sowohl wirtschaftlicher, als auch umweltfreundlicher, den Autoreifen zu flicken.

Eine Reifenreparatur kostet zwar keine Unsummen, doch wirklich billig ist sie dennoch nicht, und da der Autozubehörmarkt eine breite Palette von Reparaturkits und Pannensprays bereithält, legen auch hier die Heimwerker selbst Hand an. Abgesehen davon, dass Pannensprays nur für die provisorische Wiederherstellung der Fahrbereitschaft geeignet sind, ist mit ihrer Anwendung eine Beurteilung des Reifenzustands nicht möglich. Ob ein Reifen nach einer Reifenpanne noch sicher ist, kann ein Reifenfachmann erst dann beurteilen, wenn der Reifen demontiert wird. Da eine solche Beurteilung Bestandteil einer fachgerechten Reparatur ist, gilt jede Reparatur von außen als nicht fachgerecht und ist damit laut StVZO unzulässig.

Nicht zu reparierende Reifenschäden

Neben den Gründen, die für eine Reifenreparatur sprechen, gibt es auch einige Sicherheitsgründe, die es verbieten den Autoreifen zu flicken. Dazugehören unter anderem die selbst durchgeführten Reparaturversuche. Nach der Anwendung eines Pannensprays ist eine professionelle und sichere Reparatur nicht mehr möglich. Das gilt auch für die Reparaturkits, die einige Fahrzeughersteller statt eines Ersatzrades in den Kofferraum packen. Unabhängig davon, ob der Reifen reparabel ist oder nicht, ist der Fahrer in Ermangelung eines Ersatz- oder Notrades auf das Flickzeug angewiesen um sein Auto wieder flott zu bekommen und bezahlt dies mit der Notwendigkeit eines neuen Reifens.

Ohne Ersatzrad und Reparaturkit kommen zwar die Fahrer von Run-on-flat-Reifen aus, doch um einen neuen Reifen kommen auch sie im Falle einer Reifenpanne nicht herum. Der Grund liegt in der extrem verstärkten Seitenwand, die es selbst dem Fachmann unmöglich macht den Zustand des Reifens objektiv zu beurteilen. Ebenfalls in einen neuen Reifen müssen diejenigen investieren, die über eine längere Distanz mit zu geringem Reifendruck gefahren sind. Ohne Reifendruck, umgangssprachlich Plattfuß genannt, reichen schon ein paar Meter aus, um den Reifen zu zerstören.

Fahren ohne Versicherungsschutz

Ist es nicht möglich, den Autoreifen zu flicken bzw. der Fachmann rät von einer Reparatur dringend ab, so ist eine auf eigenen Wunsch und eigenes Risiko durchgeführte Reparatur selbst dann nicht fachgerecht, wenn sie von einem Fachmann ausgeführt wurde. Bei einer solchen Entscheidung aus falscher Sparsamkeit heraus sollte bedacht werden, dass diese Reparatur nicht nur unzulässig ist, sondern gleichzeitig zum Verlust des Versicherungsschutzes führt. Ein neuer, oder bei entsprechendem Alter und Abnutzung zwei neue, bzw. ein gebrauchter Reifen des gleichen Typs, sind in jedem Fall sicherer und unter dem Strich auch noch günstiger. Ebenfalls eine weise Entscheidung ist, sich ein Ersatz- oder Notrad in den Kofferraum zu packen und das vom Hersteller eingepackte Flickzeug der Sondermülltonne zu spendieren.

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